Die Kagyü-Tradition

tilopa

Die Kagyü-Überlieferungen des tibetischen Buddhismus lässt sich in ihren Wurzeln bis auf den historischen Buddha Shakyamuni zurückverfolgen. Die wichtigste historische Quelle für die präzisen und meist geheimen Praktiken, die die Kagyü-Überlieferung prägten, sind die Ausführungen des großen indischen Yogi Tilopa (988 – 1069), einer von Indiens 84 Mahasiddhas, der die vollkommene  geistige Verwirklichung erlangte. Dies geschah besonders durch Methoden, die Buddha Shakyamuni seinen engsten Schüler/-innen anvertraut haben soll und die noch in der Zeit von Tilopa am Ganges angewandt wurden. Die vollständige Übertragung dieser tantrischen und Mahamudra-Lehren und die direkte Erfahrung der Realisation wurde durch eine ununterbrochenen Reihe von spirituellen Meistern und Meisterinnen bis ins 21. Jahrhundert auf authentische Weise übertragen. Die wichtigsten unter den frühen Kagyü-Vorvätern sind: der indische Mahasiddha Naropa; der große Übersetzer Marpa, der die Kagyü Schriften aus Indien nach Tibet brachte; Milarepa, der große Yogi Tibets; und schließlich Gampopa, dessen Erscheinen vom Buddha phophezeit wurde. Die Kagyü-Tradition betont die Kontinuität der mündlichen Unterweisungen, die vom Meister/-in an die Schüler übertragen werden, woher auch der Name „Kagyü“ stammt. (Kagyü: Ka=mündlich Gyü: Übertragungslinie oder Kontinuität)

Auf dieser Seite bieten wir Informationen über die folgenden Themen hinsichtlich der Kagyü-Tradition:

  • Kagyü-Schriften
  • Tantra- und Mahamudra-Wege
  • Vier Haupt- und acht Nebenlinien
  • Kagyü-Sitze in Tibet und im Exil
  • Karmapa und die Karma Kagyü-Tradition

Kagyü-Schriften

Der tibetisch-buddhistische Kanon des Kangyur (bk’a ’gyur) – „Übersetzte Worte des Buddhas“, und Tengyur (bstan ’gryur) – „Übersetzte Abhandlungen“, enthält auch die wichtigsten Quellen für die Kagyü-Überlieferung. 

Zusätzlich stützt sich die Linie auf viele hundert Schriftbände von Kagyü-Meistern, angefangen von den indischen Mahasiddhas, Tilopa und Naropa, über die tibetischen Yogis und Mönche, Marpa, Milarepa, Gampopa und die Gyalwang Karmapas, bis hin zu anderen großen Meistern aller Kagyü-Schulen.

Zu den bedeutendsten Werken der tibetischen Kagyü-Meister zählen die Texte von Marpa, die Vajra-Lieder von Milarepa, die gesammelten Werke von Gampopa und der Karmapas, des Drikhung Kyöppa Jigten Sumgön und des Drukpa Kunkhyen Pema Karpo sowie die Werke vieler anderer Meister – zu vieler, als dass man sie alle aufzählen könnte.

Die Karmapas spielten durch ihre Beiträge zu den Kagyü-Schriften eine wichtige Rolle für die Erhaltung der Tradition. So sind zum Beispiel der erste Karmapa, Düsum Khyenpa (1110 – 1193), der zweite Karmapa, Karma Pakshi (1206 – 1282) und der neunte Karmapa, Wangchuk Dorje (1556 – 1603), für ihre vollkommene Realisation in der Meditation bekannt und für ihren Beitrag zu den Schriften, deren Fokus vor allem auf der Praxisüberlieferung liegt. Der dritte Karmapa, Rangjung Dorje (1284 – 1339), der siebte Karmapa, Chödrak Gyatso (1454 – 1506) und der achte Karmapa, Mikyö Dorje (1507 – 1554), sind für ihre gelehrten Werke an Sutra- und Tantra-Kommentaren bekannt. Der zehnte Karmapa, Chöying Dorje (1604 – 1674), war als ein großer erwachter Künstler und Dichter bekannt.   

Später, im 19. Jahrhundert, verfasste der Meister Jamgon Kongtrul der Große (1813 – 1899) den „Schatz der Kagyü Mantras“, der zu einer der Hauptquellen von Unterweisungen, tantrischen Ermächtigungen und Sadhanas innerhalb der Kagyü- und auch Nyingma Tradition wurde.

Die Wege von Tantra und Mahamudra

Die Kagyü-Tradition praktiziert die wesentlichen Anleitungen sowohl der Sutra- als auch der Tantra-Lehren, mit besonderem Fokus auf die tantrischen Lehren des Vajrayana, der Teil der Mahayana-Lehren ist. In dieser Tradition gibt es zwei große Pfade: (1) den Pfad der geschickten Mittel und (2) den Pfad der (Selbst-) Befreiung.

Der Weg der geschickten Mittel (thabs lam) ist der Tantra- oder Vajrayana-Pfad und reich an Methoden oder geschickten Mitteln. Dieser Pfad schließt die Reise auf den vier Ebenen der Tantras mit ein – 1. Kriya-Tantra, Tantra der Aktivität oder Handlung, 2. Charya-Tantra, Ausübungs-Tantra, 3. Yoga-Tantra, intensive spirituelle Praxis, und 4. Anuttarayoga-Tantra, unübertroffenes oder überragendes Yoga-Tantra. Das letzte Tantra besteht aus drei Hauptteilen, dem Vater-Tantra (pha rgyud), dem Mutter-Tantra (ma rgyud) und dem Nicht-Dualen Tantra (gnyis med rgyud). Die Kagyü-Linie betont diese drei Tantras im Allgemeinen, und das Mutter- und Nicht-Duale Tantra im Besonderen. 

Alle tantrischen Praktiken basieren im Grunde auf zwei Hauptelementen – der Übung in der Entwicklungsphase (bskyed rim oder Utpatti-Krama) mit Visualisierungspraktiken, und der Übung in der Vollendungsphase (rdzogs rim oder Sampanna-Krama) mit Praktiken der Erfüllungs-, Vollendungs- oder Auflösungsphase.

Die Entwicklungsphase der Praxis des tantrischen Yidams (yi dam – erleuchteter Geist, der sich in verschiedenen Formen der Gottheit manifestiert) wird in der Kagyüpa durch eine Vielfalt an Tantras und Yidam-Praktiken gelehrt. Die drei Hauptpraktiken mit tantrischen Yidams, die nur der Kagyü-Schule zu eigen sind, sind Vajrayogini (rdo rje phag mo), Cakrasambhava (khor le sde mchog) und Gyalwa Gyamtso (rgyal ba rgya mtsho). Es gibt auch einige tantrische Schützer-Praktiken, wie zum Beispiel die verschiedenen Formen der Mahakalas und andere. 

Die Vollendungsphase der innersten tantrischen Praxis wird als heiligste und tiefstgründige aller Ebenen von tantrischer Praxis gelehrt. Diese schließt auch die Übungen für Prana (rlung), Nadi (rtsa) und Bindu (thig le) mit ein. Eine der Herzpraktiken der Kagyüpa ist die Praxis der Vollendungsphase (rdzogs rim / Sampanna-Krama) des Anuttarayoga-Mutter-Tantras, die auch als die Sechs Dharmas des Naropa (aA ro chos drug), im Westen als die Sechs Yogas des Naropa bekannt ist. Diese Tantra-Linie setzt sich auch heute noch in allen Schulen der Kagyü- und vor allem der Karma Kagyü-Tradition fort. 

(2) Der Pfad der Befreiung (grol lam) ist die Praxis des Mahamudra (phyag rgya chen po) oder des Großen Siegels, welches die höchste Meditionsübung und das besondere Merkmal der Kagyüpa ist. In Gampopas Linie gibt es drei Arten, die Mahamudra-Unterweisungen zu geben. Diese drei Arten von Mahamudra-Traditionen sind 1. das Sutra- (mdo lugs) Mahamudra, 2. das Mantra- (sngags lugs) Mahamudra und 3. das Essenz- (snying po lugs) Mahamudra. Gampopa, dessen Erscheinen vom Buddha vorhergesagt wurde, lehrte Mahamudra auf diese drei unterschiedlichen Weisen, und dies wurde zur Tradition in der Kagyüpa, die bis zum heutigen Tage fortgesetzt werden. 

Sowohl Aspekte der Tantra- als auch der Mahamudra-Lehren sind mit dem direkten Verständnis und der Realisation der Natur des Geistes verbunden, die in dieser Tradition als der „gewöhnliche Geist“ (thamal gyi shepa) und der „Vajra-Geist“ (sems kyi rdo rje) bekannt sind. 

Im Allgemeinen sind diese beiden Hauptrichtungen der Meditationspraxis und Unterweisung allen Kagyü-Schulen gemeinsam, und zwar in Bezug auf die Vier Tantras oder die Arten der Herzensunterweisungen über Grundlage, Pfad und Vollendung. Es gibt jedoch leichte Unterschiede hinsichtlich der Art und Weise, wie diese Aspekte präsentiert werden, und auch in ihren leicht unterschiedlichen Annäherungen an das Tantra und Mahamudra.

Die vier Hauptschulen und die acht zusätzlichen Linien

Aus Gampopas Dakpo Kagyü-Tradition entstanden die vier wichtigsten oder größten Schulen, gegründet von seinen verwirklichten Schülern.

Die vier Hauptschulen

1. Phaktru Kagyü  Deshek Phakmo Trupa Dorje Gyalpo (1110 – 1170), der einer der Hauptschüler von Gampopa und besonders für die Realisation und Übertragung der Mahamudra-Lehren bekannt war, gründete diese Übertragungslinie der Kagyüpa. Er gründete das Phakmo-Kloster, später Densa Thilo genannt wurde. Viele der Nebenschulen der Kagyü-Tradition gehen auf Phakmo Trupas Schüler zurück.

2. Kamtsang oder Karma Kagyü Der erste Karmapa, Düsum Khyenpa (1110 – 1193), der ebenfalls einer der Hauptschüler Gampopas war, gründete diese Linie der Kagyü-Schule. Im Jahr 1139 u.Z. wurde er im Alter von dreißig Jahren zum Schüler von Gampopa. Diese Tradition ist bis in die heutige Zeit sehr lebendig und erfolgreich geblieben aufgrund der ununterbrochenen Reihe von Reinkarnationen ihres Begründers, also der aufeinanderfolgenden Karmapas. Alle nachfolgenden Karmapa-Inkarnationen sind überall in Tibet bekannt, sowohl für ihre tiefe Erfahrung in der Meditation, als auch ihre große Gelehrsamkeit und unermüdliche Buddha-Aktivität zum Wohle aller Lebewesen. 

3. Tsalpa Kagyü:  Lama Zhang, auch bekannt als Yudakpa Tsondu Dakpa (1123 – 1193), dessen wichtigster Lehrer der Gampopa-Schüler Wangom Tsultrim Nyingpo war, hat diese Tradition gegründet. Er ist auch der Gründer des Gungthang-Klosters und hatte zahlreiche gelehrte Schüler.

4. Barom Kagyü  Barom Darma Wangchuk, ein Schüler Gampopas, gründete diese Tradition. Er war auch der Gründer des Klosters Barom in der nördlichen Region Latö in Tibet, woher auch der Name dieser Tradition stammt. 

Acht zusätzliche Schulen

Die acht zusätzlichen oder untergeordneten Schulen der Kagyü-Tradition entwickelten sich innerhalb der Phaktru Kagyü. 

1. Die Drikhung Kagyü wurde von Drikhung Kyopa Jigten Sumgön (1143 – 1217) gegründet. S.H. Drikung Kyapgön Chetsang Rinpoche (geb. 1946), der in Dehradun, Indien, residiert, ist derzeitig das Oberhaupt der Drikhung Kagyü-Tradition. 

2. Die Drukpa Kagyü wurde von Drupchen Lingrepa Pema Dorje (1128 – 1188), einem Schüler von Phakmo Trupa, und seinem Schüler Chöje Tsangpa Gyare Yeshe Dorje (1161 – 1211) gegründet. Sie errichteten zusammen den ersten Sitz dieser Schule, das Kloster Namdruk in Zentral-Tibet. Später gründete Kunkhyen Pema Karpo (1527 – 1592) das Druk Sang-ngak Chöling im südlichen Tibet, das dann zum Hauptsitz der Drukpa Kagyü wurde. Das gegenwärtige geistige Oberhaupt ist S.H. Kjapgön Drukchen Rinpoche, der in Darjeeling in Indien lebt. Diese tantrisch- buddhistische Schule, die im Königreich Bhutan Staatsreligion ist, wurde ursprünglich vom großen Drukpa Kagyü-Meister, Shaptrung Ngakwang Namgyal, dorthin gebracht und war im Laufe der Jahrhunderte in Bhutan sehr verbreitet. S.H. Je Khenpo von Bhutan und der aktuelle bhutanesische König, Jigme Senge Wangchuk, sind die Oberhäupter der Drukpa Kagyü in Bhutan.

3. Die Taklung Kagyü wurde von Taklung Thangpa Tashi Pal (1142 – 1210) gegründet. S.H. Taklung Shapdrung Rinpoche ist aktuell der wichtigste Linienhalter, zusammen mit Taklung Matul Rinpoche und Tsatrul Rinpoche.

4. Die Yasang Kagyü wurde von Zarawa Kalden Yeshe Senge (? – 1207 gest.), einem Schüler von Phakmo Trupa, und seinem Schüler Yasang Chöje Chökyi Mönlam (1169 – 1233) gegründet. Letzterer legte im Jahr 1206 u.Z. den Grundstein für das Kloster Yasang oder auch Yamsang (g.yam bzang), wovon sich auch der Name der Schule ableitet. 

5. Die Trophu Kagyü wurde von Rinpoche Gyatsa, dem Neffen und Schüler von Phakmo Trupa, und von seinem Schüler Trophu Lotsawa Champa Pal (1173 – 1225) gegründet. Trophu Lotsawa gründete das Trophu-Kloster und –Institut in der Region Tsang im zentralen Tibet.

6. Die Shuksep Kagyü wurde von Gyergom Tsultrim Senge (1144 – 1204) gegründet, der ein Schüler von Phakmo Trupa war. Er gründete im Jahr 1181 C.E. das Kloster Shuksep im Nyephu-Gebiet in der Region Chushur im zentralen Tibet. 

7. Die Yelpa Kagyü wurde von Yelpa Drupthop Yeshe Tsekpa (Jhdt.?) gegründet, der die Klöster in Yelphuk gründete.

8. Die Martsang Kagyü wurde von Martsang Sherab Senge gegründet, einem Schüler von Phakmo Trupa.

Shangpa Kagyü

Die Shangpa Kagyü, eine weitere bedeutende Kagyü-Übertragungslinie, wurde von dem großen Yogi Khyungpo Nyaljor (978 – 1079) gegründet. Khyungpo Nyaljor reiste nach Nepal, wo er Charya Sumati begegnete und eine Ausbildung zum Übersetzer erhielt, bevor er nach Indien weiterreiste. Er erhielt Belehrungen von einhundertfünfzig Gelehrten und Yogis und wurde selbst zu einem Meister der Vajrayana-Lehren. Khyungpo Naljors wichtigste Lehrer waren die indischen Yoginis Sukhasiddha, und Niguma und Rahula Gupta, der Gefährte von Naropa. Als er nach Tibet zurückkehrte, legte er die Mönchsgelübde bei dem Kadampa-Meister Langri Thangpa ab.

Khyungpo Naljor etablierte viele Klöster in der Region von Phenyul und dem Gebiet „Shang“, in der tibetischen Region Tsang. Die von ihm gegründete Überlieferung wurde deshalb als Shangpa Kagyü bekannt. Er setzte seine Aktivitäten der Lehre und Verbreitung der Shangpa Kagyü über einen Zeitraum von mehr als dreißig Jahren in Tibet fort. Er hatte viele Schüler und gab sämtliche Lehren, die er selber erhalten hatte, weiter, so dass sie bis heute fortdauern.  

Einige der Haupt-Praktiken der Shangpa Kagyü-Linie sind Chakrasambhava, Hevajra, Mahamaya, Ghuyasamaja, die Sechs Doktrinen des Niguma, Mahamudra, die Praktiken des Sechsarmigen und des Weißen Mahakala und andere. Jamgon Kongtrul der Große machte enorme Bemühungen, die Tradition der Shangpa Kagyü ins Leben zu rufen und zu erhalten. Durch seine Segnungen und Bestrebungen und die des 16. Karmapa ist diese nahezu verschollene Tradition erneut in Tibet und auch außerhalb. Zwei der wichtigsten zeitgenössischen Shangpa Kagyü-Meister waren der S.E. Kalu Rinpoche und S.E. Bokar Rinpoche, deren Inkarnationen vom 17. Karmapa gefunden wurden.

Die Sitze der Kagyü-Tradition in Tibet und im Exil

Der ursprüngliche Sitz von Marpa Lotsawa befindet sich in der Region Lhodrak im südlichen Tibet. Nicht weit von dort kann man noch heute den neunstöckigen Turm sehen, der von seinem Herzens-Schüler (heart disciple) Milarepa erbaut wurde. Milarepa, der größte Yogi Tibets, praktizierte in vielen verschiedenen Berghöhlen im Himalaya, nicht nur in Tibet, sondern auch in einigen Regionen Nepals. Der Mönch Gampopa, der Herzens-Schüler von Milarepa, errichtete sein Kloster bei Dhaklha Gampo, in der Nähe von Dhakpo im südlichen Tibet, und dieses wurde der erste klösterliche Sitz. Deshalb wird die Kagyü Überlieferung oft auch mit Dhagpo Kagyü bezeichnet. Was zu Milarepas Zeiten noch eine yogische Tradition (von meist Nicht-Ordinierten) war, wurde durch die große Aktivität von Gampopa zu einer überwiegend monastischen Tradition.

Alle Haupt-Schüler von Gampopa und die Schüler von Phakmo Trupa erbauten klösterliche Sitze in ganz Tibet. Eines der Hauptklöster ist Tsurphu im Tölung-Tal im zentralen Tibet, gegründet vom 1. Karmapa Düsum Khyenpa (1110 – 1193). Dieses wurde eine der wichtigsten Residenzen der gesamten Kagyü-Schulen und konnte durch die Jahrhunderte hindurch erhalten werden. Im Exil gründete der 16. Gyalwang Karmapa das Kloster Rumtek im indischen Sikkim, das zum Hauptsitz und wichtigsten Ort der Kagyüpa im Exil wurde.

Einige der anderen, ebenfalls sehr wichtigen und kontinuierlich erhaltenen Sitze der Kagyüpa sind:

  • das Kloster Drikhung Thil in der Region Drikhung im zentralen Tibet, gegründet von Drikhung Kyopa Jikten Sumgön, Hauptsitz der Drikung Kagyü (im Exil gründete S.H. Drikung Kyabgon das Drikung Kagyü-Institut  (Jangchub Ling) in Shastradhara, Dera Dun, Indien); 
  • das Kloster Namdruk im zentralen Tibet, gegründet von Drupchen Lingrepa und Tsangpa Gyare, und das Druk Sang-ngak Chöling im südlichen Tibet, gegründet von Kunkhyen Pema Karpo (1527 – 1592), 
  • die beiden Hauptsitze der Drukpa Kagyü (im Exil, Druk Thubten Sangag Choeling in Darjeeling, Indien, gegründet von Thukse Rinpoche und S.H. Drukchen Rinpoche); 
  • das Kloster Palpung in der Region Derge im östlichen Tibet, gegründet im Jahr 1727 u.Z. vom 8. Tai Situpa, Chögyi Jungney (1700 – 1774), einer der wichtigsten Karma Kagyü-Sitze in Kham (im Exil, das Palpung-Institut, Bir, Himachal Pradesh, Indien, gegründet von S.E. 12. Tai Situpa Rinpoche; 
  • Tsandra Rinchen Drak in der Region Derge im östlichen Tibet, gegründet von Jamgon Kongtrul dem Großen (1813 – 1899) (im Exil, das Kloster Pullhahari in Kathmandu, Nepal, gegründet von S.E. 3. Jamgon Kongtrul Rinpoche (1954 – 1992)); 
  • Chögar Gong in Tsurphu, Zentral-Tibet, gegründet von den Linien der Goshir Gyalsabpa-Inkarnationen (im Exil, Palchen Chökhor Ling in Ralang, Sikkim, Indien, gegründet von S.E. 12. Goshir Gyalsapa Rinpoche).  

Gyalwang Karmapa und die Karma Kagyü Tradition

IMG_3379k16 mit schwarzer krone2Seine Heiligkeit der 16. Gyalwang Karmapa Rangjung Rigpe Dorje (1924-1981), wurde nach seiner Flucht aus Tibet zeitweise zum geistigen Oberhaupt aller Kagyü-Schulen gewählt. Er errichtete seinen Hauptsitz im Exil, das Kloster Rumtek, in Nordindien (Sikkim) und hat die Vereinigten Staaten und Europa mehrmals besucht, um die Lehren der Karma Kagyü in den Westen zu übertragen. Hier hat er oftmals die schwarze Vajra-Krone enthüllt und für kurze Momente getragen, um auf diese Weise die direkte Erfahrung von Mahamudra zu ermöglichen. Die derzeitige Inkarnation, Seine Heiligkeit der 17. Gyalwang Karmapa Ogyen Trinley Dorje, lebt seit seiner spektakulären Flucht aus Tibet (im Jahre 2000) als tibetischer Flüchtling in der Nähe von Dharamsala, dem Sitz von S.H. Dalai Lama. Die Karma Kagyü-Überlieferung, die auch als Karma Kamtsang Tradition bekannt wurde, nahm in ihrer 900-jährigen Geschichte eine wichtige Rolle ein hinsichtlich der Erhaltung und Fortführung der großen Fülle der Kagyü-Übertragungen, die von Milarepa und Gampopa ihre zahlreichen Hauptschüler/-innen weitergegeben wurden.