S.H. der 17. Gyalwang Karmapa

350x525Seitdem S. H. der XVII. Karmapa, Ogyen Trinley Dorje, im Jahr 2000 aus Tibet nach Indien gekommen ist, tritt er zunehmend als einer der großen geistigen Meister unserer Zeit in ErscheinungAls Oberhaupt einer der großen Schulen des tibetischen Buddhismus, der Karma Kagyü Linie, hat der Gyalwang Karmapa eine tragende Rolle für die Bewahrung der tibetischen Religion und Kultur. Seine Aufforderung, eine Zukunft zu erschaffen, die stärker als bisher von Mitgefühl geprägt ist, wendet sich direkt an die globale Gesellschaft des 21. Jahrhunderts und hat Millionen von Menschen weltweit inspiriert, sich für soziale und Umweltprojekte einzusetzen.

Der XVII. Karmapa, Ogyen Trinley Dorje, wurde 1985 in einer Nomadenfamilie in einer entlegenen Gegend der tibetischen Hochebene geboren. Im Alter von 7 Jahren ließ er das Leben eines Nomaden hinter sich, nachdem er als Reinkarnation des XVI. Karmapa erkannt worden war. Mit allen Formalitäten wurde er in Gegenwart zweier der drei Oberhäupter seiner Linie in seinem Stammkloster Tsurphu in Zentraltibet inthronisiert. Im Alter von 8 Jahren hielt er seine erste öffentliche Rede vor einer Zuhörerschaft von über 20.000 Menschen.

In den folgenden Jahren sah sich der Karmapa bei seinen Bemühungen um die Durchführung spiritueller Aktivitäten vor zahlreiche Herausforderungen gestellt. So wurde seinen wichtigsten spirituellen Lehrerneinerseits die Einreise nach Tibet verweigert und dem Karmapa andererseits die Ausreise nach Indien, wo er S.H. den Dalai Lama und andere Lehrer zu treffen hoffte. Um die Freiheit zu erlangen, seinen religiösen Verpflichtungen nachkommen zu können, beschloss er im Alter von 14 Jahren aus Tibet zu fliehen. Sobald er Indien sicher erreicht hatte, begann er ein philosophisches Studium und eine klösterliche Ausbildung. Seitdem lebt er in Dharamsala, Himachal Pradesh, in kurzer Entfernung zur Residenz S.H. des Dalai Lama, mit dem ihn bis zum heutigen Tag eine nahe Meister-Schüler-Beziehung verbindet.

Seit seiner Kindheit hält der Gyalwang Karmapa die Karma Kagyü Tradition mit unerschütterlicher Hingabe aufrecht und er führte die 900 Jahre alte Linie in ein neues Jahrtausend. Heute überträgt und lehrt er den Buddha-Dharma mit großer Reichweite, indem er Tausende von Schülern anleitet und religiöse Praktiken modernisiert. Gleichzeitig stärkt er durch seine Vorbildfunktion die monastische Disziplin.

Im Jahr 2004 übernahm der Gyalwang Karmapa die Verantwortung für das Kagyü Mönlam, eine jährliche Gebetsversammlung, die in Bodh Gaya abgehalten wird, wo einst der Buddha Erleuchtung erlangt hatte. Obgleich die Wurzeln dieses Festes bis nach Tibet ins 15. Jahrhundert zurückreichen, wo der VII. Karmapa, Chödrak Gyamtso, diese Tradition begründet hat, gehört das Kagyü Mönlam in vollem Ausmaß in unsere heutige Welt. Es wird von über 10 000 Menschen besucht und im Internet von Zehntausenden Schülern auf der ganzen Welt verfolgt. Zu diesem Treffen kommen Mönche, Nonnen und LaienanhängerInnen, um zu studieren, zu meditieren und sich dem Wohl aller Lebewesen zu widmen. 2014 führte der Karmapa in Indien zum ersten Mal den Heiligen Tanz des Padmasambhava auf, eines weithin in der ganzen Himalaya-Region verehrten und geliebten Meisters.

Bei der TED Konferenz (Conference about Technology, Entertainment and Design) in Mysore 2009 erklärte der Karmapa, dass es die Verantwortung spiritueller Führer sei, soziale Themen wie die Umweltkrise und die Rolle der Frauen anzusprechen. Er selbst widmet sich vollkommen diesen Aufgabengebieten und inspiriert andere, ihm zu folgen.

2007 räumte S.H. der Karmapa dem Thema Umweltschutz höchste Priorität ein und gründete 2009 „Khoryug“ (tibetisch für Umwelt). Er übernahm die Führung dieses Netzwerkes, das aus über 55 buddhistischen Mönchs- und Nonnenklöstern besteht und Umweltschutzprojekte in der Himalaya Region einführt. Diese Vereinigung hat die „Umweltschutzrichtlinien für die Karma Kagyü Gemeinschaft“ herausgegeben sowie ein beliebtes Buch mit dem Titel: „108 Dinge, die Du tun kannst, um die Umwelt zu schützen“. Es enthält Anleitungen dazu wie Klöster und buddhistische Zentren positive Veränderungen für ihre Gemeinschaften bewirken können.

2014 legte der Karmapa den Grundstein für eine historische Entwicklung, indem er ein jährliches „Arya Kshema Winter Dharma Treffen“ für Karma Kagyü Nonnen einführte, mit dem er Nonnen einen Zugang zu einer gründlichen Ausbildung ermöglichen möchte. Dies war die erste Dharmaversammlung (Günchö) für Nonnen in der 900-jährigen Geschichte der Karma Kagyü Linie mit dem Schwerpunkt, die monastische Stellung der Nonnen zu stärken. Nachdem sie 11 Tage lang den Unterweisungen des Karmapa zugehört hatten, baten Vertreterinnen aller sieben Nonnenklöster formell um die Ordination zur Bikshuni. Zum ersten Mal seit Beginn der Geschichtsschreibung wollte eine so große Zahl tibetischer Nonnen die volle Ordination nehmen. Der XVII. Karmapa antwortete, dass er alles in seiner Macht Stehende dafür tun werde, diesem Wunsch entsprechen zu können. Dadurch würden sich gleichzeitig die Wünsche S.H. des Dalai Lama erfüllen, der oft ausgedrückt, wie wichtig es ist, die Bikshuni Ordination für Nonnen im tibetischen Buddhismus einzuführen.

S.H. der Karmapa geht vielfältigen künstlerischen Aktivitäten nach. Er malt, fertigt Kalligraphien an, schreibt Gedichte, komponiert Musik und inszeniert Theateraufführungen. Er bewahrt und erneuert verschiedene Ausdrucksformen des tibetischen kulturellen Erbes. So hat er bereits verschiedene Theaterstücke geschrieben und produziert, die Elemente der traditionellen tibetischen Oper und des modernen Theaters vereinen. Die Premiere seines ersten Bühnenstückes, eines Werkes über das Leben des großen tibetischen Yogi Milarepa, im Jahr 2010 wurde von 12 000 Menschen besucht.

Der Gyalwang Karmapa ermutigt außerdem mit großem Engagement Jugendliche dazu, eine führende e-book-cover-ENG-707x1024Rolle bei der Lösung von gesellschaftlichen und Umweltproblemen zu übernehmen. Seine Heiligkeit wendet sich ganz direkt an die jungen Menschen und macht ihnen bewusst, dass sie bereits alle Kraftquellen, die sie brauchen, in sich tragen. Er trifft sich oft mit Studierenden aus der ganzen Welt und diskutiert mit ihnen praktische Lösungen für globale Fragen. Auch in Indien besucht er regelmäßig tibetische Schulen und Universitäten, um mit Jugendlichen im Gespräch zu bleiben. In seinem neuesten Buch, „The Heart is Noble: Changing the World from the Inside Out“¹,das 2013 veröffentlicht wurde, spricht der Karmapa mit einer Gruppe von Studenten über die größten Herausforderungen, die sich unserer Gesellschaft heute stellen: Umweltschutz, Gleichstellung der Geschlechter, Gerechtigkeit in der Nahrungsverteilung und übertriebenes Konsumverhalten.

Im Mai 2008 unternahm der Karmapa seine erste Reise in den Westen und besuchte viele spirituelle Zentren in den Vereinigten Staaten, die unter seiner Leitung stehen. 2011 reiste er ein zweites Mal in die USA. 2014 hat S.H. das erste Mal Europa besucht und erfüllt sich damit einen lang gehegten Wunsch, diesen Kontinent zu bereisen. Ogyen Trinley Dorje empfindet, ähnlich wie sein Vorgänger, der XVI. Karmapa, eine starke persönliche Verbindung zu Europa.